Eine prominente Zahl, die sich nicht prüfen lässt
Nach Angaben des Beratungsunternehmens Terranus, wiedergegeben auf altenheim.net, kostete ein Pflegeheim mit 80 Wohneinheiten 2015 rund 2.500 Euro je Quadratmeter Nettoraumfläche, 2025 waren es 4.200 Euro. Durch einfacheres Bauen ließen sich die Baukosten laut Analyse um 18 Prozent senken.
Die Darstellung legt weder Stichprobe noch Berechnung, Vergleichsgruppe oder Unsicherheiten offen. Ein Beispiel aus der Analyse sind Geschossdecken von 16 bis 20 statt häufig 20 bis 24 Zentimetern, sofern Stabilität und Trittschallschutz gleich bleiben. Das ist plausibel, aber ein Einzelbeispiel ohne Kostennachweis.
Wo die belegbaren Einsparungen liegen
Belastbarer sind Hebel, die an der Gebäudeform ansetzen. Eine staatliche Wettbewerbsdokumentation des Bundesfamilienministeriums von 2004 beziffert das Einsparpotenzial mehrbündiger Grundrisse (Zimmer auf beiden Seiten des Flures) gegenüber einbündigen auf bis zu 25 Prozent der Baukosten je Pflegeplatz. Clusterförmige Grundrisse sollen etwa 15 Prozent günstiger sein. Das sind Obergrenzen aus über 20 Jahre alten Projekten, keine Prognose für heutige Preise.
Dieselbe Dokumentation nennt die Steuerung des Raumprogramms als zentrale Maßnahme. Flächeneinsparungen bei Nass- und Pflegeräumen, Foyers und Versorgungstrakten wirken demnach kostenmäßig stärker als in den Wohnbereichen. Auch ein kompakter Baukörper spart nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung doppelt: bei der Gebäudehülle und später bei den Heizkosten.
Standardisierung: machbar, aber ohne belegte Ersparnis
Vereinheitlichung kann Fehler und Komplexität in Planung und Ausführung verringern, so das Bundesinstitut. Daraus lässt sich ein geringeres Risiko teurer Ausführungs- und Instandhaltungsprobleme ableiten; einen Betrag für Pflegeheime nennt die Quelle nicht.
Die Praxis zeigt, dass solche Ansätze umsetzbar sind: In Vöhringen entstanden 158 Bewohnerzimmer als fertige Holzmodule parallel zum Stahlbetonkorpus, in Tiefenbach sind 50 Fertignasszellen vorgesehen, und die Kleeblatt Pflegeheime setzen auf kleine Häuser mit meist 25 bis 30 Plätzen. Das belegt die Machbarkeit, nicht die Kostenersparnis. Zu Bauzeit und Anpassbarkeit liegen keine unabhängigen Vergleichsdaten vor; Anbieterangaben wie beim Stroh-Lehm-Konzept Eco Living sind unbewertet.
Wenn die Nasszelle zu eng ist
Wo Sparen an Pflegeabläufe rührt, wird es riskant. In einem dokumentierten Fall waren Sanitärräume zwar barrierefrei nach DIN 18025, aber die Bewegungsfläche für Pflegekräfte, die beim Waschen helfen, war zu knapp geplant. Formale Barrierefreiheit reicht also nicht.
Zudem gibt es Untergrenzen: Flure und Türen müssen den Transport bettlägeriger Bewohner erlauben, Flure und Treppen brauchen beidseitig feste Handläufe, und auch Sanitärausstattung ist geregelt.
Ohne den Betreiber wird Sparen riskant
Die Dokumentation nennt als Bedingung die frühe Einbindung des Betriebsträgers und die laufende Prüfung aller Entscheidungen auf Nutzen, Betriebsfolgen und Kosten. Ob eine günstigere Bauweise über die Nutzungsdauer tatsächlich spart, ist nicht belegt: Belastbare Daten zu Energie, Instandhaltung und Pflegeabläufen vereinfachter Pflegeheime fehlen.
Für Träger heißt das: Sparen an Form und Fläche zuerst prüfen, Betreiber und Pflegepraxis von Beginn an beteiligen und jede Einsparung an den Kosten über die Nutzungsdauer messen, nicht nur an den Baukosten.