Für die Fortführung wird eine dauerhafte Finanzierung gesucht.
Förderung endet im November
Das Pilotprojekt mit Modellcharakter wird zwei Jahre lang mit Mitteln des Freistaats gefördert. Vor dem Ende der Förderung suchen die Beteiligten auf allen Ebenen nach einer dauerhaften, nachhaltigen Finanzierung.
In der Gesundheitspraxis arbeiten vier Ärzte, zwei Community Health Nurses und acht Medizinische Fachangestellte zusammen. Im Mittelpunkt steht die hausärztliche Primärversorgung.
Mehr als 1.800 Kontakte seit Projektbeginn
Bis Oktober verzeichneten die beiden Pflegeexpertinnen mehr als 1.800 Kontakte in Sprechstunden, am Telefon und bei Hausbesuchen. Eine Zwischenbilanz vom Juli wies 1.700 Kontakte mit rund 750 Patientinnen und Patienten aus.
Ein Arztkontakt in der Sprechstunde dauert in der Regel sieben bis zehn Minuten, ein Kontakt mit einer Pflegefachkraft durchschnittlich 20 bis 30 Minuten. Projektleiterin Elisa Johannsdottir, Pflegeexpertin und Dozentin für Angewandte Gesundheitswissenschaft an der Technischen Hochschule Deggendorf, sieht vor allem bei älteren Menschen mit chronischen Erkrankungen Lücken in der Prävention und der kontinuierlichen Alltagsbegleitung. Die längeren Kontakte könnten ihnen eine kontinuierlichere Begleitung ermöglichen.
Eigenständige Organisation, Delegation beim Krankheitsmanagement
Die Community Health Nurses ermitteln den Bedarf, beraten zur Prävention, unterstützen Patientinnen und Patienten beim Umgang mit ihrer Erkrankung und koordinieren die Versorgung zu Hause. Termine, Bedarfsermittlung und Hausbesuche organisieren sie selbstständig.
Beim Krankheitsmanagement bleibt ihre Tätigkeit an die Delegation durch die kooperierende Hausarztpraxis gebunden. In Absprache mit dem Hausarzt versorgen die Pflegeexpertinnen auch chronische Wunden und leiten Reha-Aufenthalte in die Wege. Hausbesuche erhalten ausschließlich Patientinnen und Patienten der angebundenen Gemeinschaftspraxis.
Damit zeigt das Modell eine erweiterte pflegerische Rolle in Prävention, Krankheitsmanagement und häuslicher Versorgung, die zugleich an die Zusammenarbeit mit den Ärzten gebunden ist. Johannsdottir fordert, die künftige Rolle des Pflegeberufs klar zu bestimmen und die Kompetenzen gegebenenfalls zu erweitern.
Kontaktzahlen belegen zunächst den Arbeitsumfang
Die mehr als 1.800 Kontakte bilden zunächst eine Aktivitätsbilanz: Sie dokumentieren die Inanspruchnahme und den Arbeitsumfang des Modells. Die Bayerische GemeindeZeitung berichtete im Juli, laut bisherigen Evaluationsergebnissen aus Lindenberg könnten Community Health Nurses Klinikaufenthalte vermeiden und überfüllte Notaufnahmen entlasten. Für sich genommen belegen die Kontaktzahlen diese Wirkungen jedoch nicht.
Nach Einschätzung Johannsdottirs wäre zur Deckung des Bedarfs eine weitere Community Health Nurse erforderlich. Eine mögliche Einstellung des Projekts bezeichnete sie bereits im Juli als „Tragödie für viele ältere Menschen in Lindenberg“.
Ausgangspunkt war eine drohende Unterversorgung
Das Projekt geht auf eine drohende hausärztliche Unterversorgung in der knapp 12.000 Einwohner zählenden Stadt zurück. An der örtlichen Rotkreuzklinik sollte deshalb ein medizinisches Versorgungszentrum entstehen. Die Klinik schloss später.