Empfehlungen für Gespräche und Beratung
Die Leitlinie „Umgang mit Anfragen nach Assistenz bei der Selbsttötung“ soll wissenschaftlich fundierte Empfehlungen und Orientierung für die Gesprächsführung bieten. Altenheim.net zufolge handelt es sich um die erste interdisziplinäre Leitlinie zu diesem Thema.
Sie zielt darauf, Todeswünsche angemessen zu verstehen, fundierte Information und Beratung zu ermöglichen sowie die Voraussetzungen einer freiverantwortlichen Suizidentscheidung fachlich bewerten zu können. Für Pflegebeschäftigte kann sie damit eine fachübergreifende Orientierung in entsprechenden Gesprächen bieten.
Mehr als 30 Fachgesellschaften und Organisationen beteiligt
Die Leitlinie entstand nach Angaben der Universität Halle in mehrjähriger Arbeit. Mehr als 30 Fachgesellschaften und weitere Organisationen waren daran beteiligt. Vertreterinnen und Vertreter aus Medizin, Pflege, Psychologie, Sozialarbeit und Suizidprävention erarbeiteten gemeinsam mit Vertretungen von Patienten- und Angehörigenorganisationen die 45 Empfehlungen und die zugehörigen Begründungen.
AWMF sah Lücke bei konkreten Standards
Das Papier reagiert auf eine von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) beschriebene Lücke. Nach Darstellung der AWMF fehlten bislang konkrete Standards für den Umgang mit Anfragen nach Assistenz bei der Selbsttötung aus medizinischer, ethischer und rechtlicher Perspektive.
Den rechtlichen Hintergrund bildet ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Es kippte 2020 das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe, weil dieses das Recht auf selbstbestimmtes Sterben verletzte. Entwürfe für einen gesetzlichen Rahmen fanden 2023 im Bundestag keine Mehrheit.