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Der Tag in der Pflege

Wer zuerst spart, wenn die Pflegekasse knapp wird?

Die Pflegeversicherung hat ein Finanzierungsproblem, und die Kürzungsdebatte beginnt bei den Schwächsten: bei Menschen mit Pflegegrad 1. Ob das gerecht ist, ist eine andere Frage als die, ob es rechnerisch naheliegt.

Gesundheitsminister Linnemann schließt Kürzungen bisheriger Pflegeleistungen nicht aus und verweist auf ein strukturelles Finanzierungsproblem der Pflegeversicherung. Das ist keine Überraschung, denn die Zahlen sind seit Monaten bekannt: Nach Prognose des Bundesgesundheitsministeriums fehlen der sozialen Pflegeversicherung 2027 rund 7,6 Milliarden Euro, 2028 rund 15,4 Milliarden.

Wie konkret solche Sparlogik wird, zeigt der Blick auf Pflegegrad 1. Die Einstufung soll bleiben, der Entlastungsbetrag von 131 Euro dagegen soll nach dem Pflegeneuordnungsgesetz gestrichen werden. Betroffen wären mehr als 860.000 Menschen. Berichte vom Freitag beschreiben denselben Plan, keinen neuen Beschluss.

Das Muster ist heikel. Ob das zutrifft, lässt sich aus dem heutigen Material nicht belegen. Es wäre aber die Frage, die jede Kürzung beantworten müsste.

Dass die Sorge nicht auf Pflegegrad 1 beschränkt ist, zeigt die Diakonie Bayern. Sie übergab nach eigenen Angaben fast 30.000 Unterschriften gegen die Reform und warnt vor Einbußen bei familienentlastenden Angeboten. Bayerische Wohlfahrtsverbände rechnen bei Erwachsenen mit Pflegegrad 2 bis 5 mit jährlich mindestens 3.011 Euro weniger nutzbaren Finanzierungsmöglichkeiten.

Eine Lücke von knapp acht Milliarden Euro im kommenden Jahr lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber wer sie zuerst bei Leistungen für Versicherte mit geringem Hilfebedarf schließt, spart dort, wo der Widerstand am schwächsten organisiert ist. Eine Reform sollte sich nicht daran messen lassen, wie viel sie einspart, sondern daran, ob Angehörige und Pflegebedürftige im Alltag spürbar mehr oder weniger Unterstützung haben.

Die Entscheidung steht noch aus. Gerade deshalb lohnt der Blick darauf, welche Folgekosten eine gestrichene Entlastung später an anderer Stelle verursachen könnte.

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