altenpflege.de / magazin

Nachrichten aus Pflege, Politik und Praxis

Pflegepolitik & Recht

Pflegereform: bpa warnt vor mehr als 50.000 Kündigungen bei Hauswirtschaftskräften

Nach Einschätzung des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste könnte der Reformentwurf die Arbeitsplätze von mehr als 50.000 Hauswirtschaftskräften in Pflegediensten gefährden.

Millionen Pflegebedürftige müssten demnach ihre Unterstützung im Haushalt neu organisieren.

Prognose beruht auf Mitgliederbefragung

Der bpa stützt seine Warnung nach eigenen Angaben auf eine Befragung von mehr als 2.000 Pflegediensten aus seiner Mitgliedschaft. In jedem befragten Dienst müssten mehrere Beschäftigte entlassen werden, die derzeit Pflegebedürftige im Haushalt unterstützen, erklärte der Verband.

Wie der bpa daraus die Gesamtzahl von mehr als 50.000 möglichen Kündigungen berechnet hat, wurde nicht veröffentlicht. Die Angabe ist daher als Prognose des Verbands einzuordnen.

Sozialraumbudget soll Entlastungsbetrag ersetzen

Der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit sieht vor, den bisherigen Entlastungsbetrag in ein Sozialraumbudget zu überführen. Dieses soll auf niedrigschwellige Angebote zur Unterstützung im Alltag konzentriert werden und bis zu 175 Euro im Monat betragen. Der bisherige Entlastungsbetrag liegt bei bis zu 131 Euro monatlich.

Zugleich soll der bisherige Umwandlungsanspruch von Pflegesachleistungen in Angebote zur Unterstützung im Alltag entfallen. Für Pflegebedürftige stehen damit im Entwurf ein höherer monatlicher Betrag und der Wegfall des Umwandlungsanspruchs nebeneinander.

Anderer Abrechnungsweg für professionelle Anbieter

Professionelle Anbieter solcher Unterstützungsangebote sollen nach dem Entwurf einen anderen Abrechnungsweg nutzen können. Erfüllen sie die Voraussetzungen, können sie eine versorgungsvertragliche Zulassung als ambulante Betreuungseinrichtung beantragen. Nach entsprechender Zulassung könnten sie ihre Leistungen über das Sachleistungsbudget abrechnen.

Sollten die vom bpa prognostizierten Kündigungen eintreten, könnten Pflegebedürftige, die Unterstützung im Haushalt nutzen, gezwungen sein, diese Hilfe neu zu organisieren.

Verband fordert Erhalt bestehender Strukturen

Der bpa forderte Gesundheitsminister Linnemann auf, sich auf die „wirklichen Probleme“ zu konzentrieren und die aus Sicht des Verbands funktionierenden Unterstützungsstrukturen unangetastet zu lassen.

Quellen und weiterführende Informationen

Kommentare (0)

Lesen kann jeder, kommentieren können angemeldete Mitglieder der altenpflege.de. Jeder Kommentar wird vor der Veröffentlichung automatisch geprüft, Links werden entfernt. Bitte beachte die Kommentarrichtlinien.

Zum Kommentieren bitte anmelden oder kostenlos registrieren.

Noch keine Kommentare. Schreibe den ersten.

Mehr zum Thema

Pflegepolitik & Recht

Pflegeversicherung: Warum ihr Gründungsversprechen wieder aktuell ist

Die Pflegeversicherung sollte verhindern, dass Pflegebedürftigkeit Menschen in die Sozialhilfe zwingt. Zugleich sollten Länder und Kommunen um Milliarden entlastet werden.

30. Oktober 2026 · Deutscher Bundestag, Statistisches Bundesamt, Bundesministerium der Justiz

Pflegepolitik & Recht

Kritik am Pflegeheim: Darf die Einrichtung deshalb den Heimplatz kündigen?

Ein 86-jähriger Pflegeheimbewohner soll seinen Heimplatz verlieren, nachdem sein Sohn Missstände öffentlich kritisiert hat.

30. Oktober 2026 · Stolpe Rechtsanwälte; Zusammenfassung der OLG-Entscheidung, nicht die Primärquelle, Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz, Open Legal Data; Entscheidung des Landgerichts Berlin, Kreiszeitung