Eine separate Befragung der Hochschule Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern weist zudem auf teilweise unvollständige oder schwer verständliche Entlassinformationen und einen geringen Einsatz digitaler Instrumente hin.
Uneinheitliche Standards und unklare Zuständigkeiten
Der in der Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZEFQ) veröffentlichte Scoping Review untersucht das Entlassmanagement in Deutschland. Dafür wurden 2.959 Publikationen gesichtet und 30 Studien eingeschlossen.
Zu den im Review am häufigsten beschriebenen Herausforderungen gehören uneinheitliche Standards, unklare Zuständigkeiten, Zeit- und Personalmangel, Defizite in der interprofessionellen Kommunikation sowie eine unzureichende Einbindung von Patientinnen und Patienten. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren bestehen außerdem Mängel bei der Evaluation der Abläufe.
Die wissenschaftliche Evidenz konzentriert sich überwiegend auf erwachsene Patientinnen und Patienten. Von den 30 eingeschlossenen Studien befassten sich fünf mit geriatrischen und eine mit pädiatrischen Patientinnen und Patienten. Der Review bündelt die Ergebnisse der einbezogenen Forschung, erlaubt aber keine Aussage darüber, wie häufig die beschriebenen Defizite in sämtlichen deutschen Kliniken auftreten.
Verbindliche Vorgaben für den Übergang in die Anschlussversorgung
Nach Paragraf 39 Absatz 1a SGB V müssen Krankenhäuser ein effektives Entlassmanagement gewährleisten, das den Übergang in die Anschlussversorgung unterstützt.
Der Rahmenvertrag Entlassmanagement vom 1. Juli 2024 verpflichtet Krankenhäuser, den individuellen Bedarf für die Anschlussversorgung möglichst frühzeitig mit einem geeigneten Assessment zu erfassen und einen Entlassplan aufzustellen. Gemeinsam mit der Kranken- und Pflegekasse muss das Krankenhaus rechtzeitig vor der Entlassung die Versorgung organisieren, die für die Umsetzung dieses Plans erforderlich ist.
Für Personengruppen mit komplexem Versorgungsbedarf sind differenzierte Assessments und spezifische Standards vorgesehen. Dazu zählen beispielsweise Patientinnen und Patienten mit Einschränkungen bei Mobilität und Selbstversorgung.
Befragung zeigt Probleme bei der Informationsweitergabe
Getrennt vom Scoping Review führte die Hochschule Stralsund eine Befragung in Mecklenburg-Vorpommern durch. Danach übermitteln Kliniken Informationen an Nachversorger überwiegend telefonisch, schriftlich oder per Fax. Die Entlassinformationen sind teilweise unvollständig oder nicht verständlich genug.
Mehr als ein Drittel der Befragten gab an, dass das eigene Krankenhaus noch keine digitalen Tools nutzt. Diese Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die Befragung in Mecklenburg-Vorpommern.
Für ambulante Pflegedienste, Pflegeheime und andere Nachversorger können unvollständige oder schwer verständliche Angaben die Übernahme der Versorgung erschweren. Besonders betroffen sind ältere, alleinlebende, multimorbide und pflegebedürftige Menschen. In ländlichen Regionen fehlen für komplexe Fälle häufig Angebote wie Kurzzeitpflege, Rehabilitation oder Therapien.
Forderung nach klaren Verantwortlichkeiten
Prof. Dr. Ivonne Honekamp, Lehrende im Management im Gesundheitswesen an der Hochschule Stralsund, sieht grundsätzlich ein Entlassmanagement, aber weiterhin keine flächendeckend funktionierende Anschlussversorgung über die Sektorengrenzen hinweg. Kliniken kämpften laut Honekamp mit fehlenden Pflegeplätzen und Anschlussangeboten sowie mit lückenhafter Pflegedokumentation.
Honekamp fordert, bestehende Standards verbindlich umzusetzen, Verantwortlichkeiten zu klären und die interprofessionelle Zusammenarbeit zu stärken.
