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Ausländische Kollegen geschätzt – aber wie offen sind Pflegekräfte gegenüber Zuwanderung?

In deutschen Pflegeteams gehören Beschäftigte aus dem Ausland längst zum Alltag. Die Zusammenarbeit wird überwiegend positiv bewertet. Doch persönliche Wertschätzung und politische Einstellungen müssen nicht übereinstimmen.

Ohne ausländische Beschäftigte wäre die Pflege in Deutschland kaum noch aufrechtzuerhalten. In vielen Einrichtungen arbeiten Menschen unterschiedlicher Herkunft eng zusammen, übernehmen gemeinsam Verantwortung und verlassen sich aufeinander.

Das funktioniert offenbar gut. Eine Umfrage des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK) aus dem Jahr 2025 zeigt, dass die große Mehrheit der befragten deutschen Pflegefachpersonen die Zusammenarbeit in internationalen Teams als Bereicherung empfindet.

Doch führt diese positive Erfahrung auch zu einer offeneren Haltung gegenüber Zuwanderung? Und können Pflegekräfte ihre ausländischen Kollegen schätzen, gleichzeitig aber eine restriktive Ausländerpolitik befürworten?

Gute Erfahrungen verändern nicht zwangsläufig politische Einstellungen

Dass persönlicher Kontakt Vorurteile abbauen kann, ist aus der Sozialforschung bekannt. Allerdings geschieht das nicht automatisch.

Eine Untersuchung der Universität Mannheim in 236 ostdeutschen Gemeinden mit mehr als 1.300 Befragten fand keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen den untersuchten Erfahrungen mit Geflüchteten und allgemeinen politischen Einstellungen oder dem Wahlverhalten.

Eine vom ifo Institut vorgestellte Studie zeigte dagegen, dass sich die Einstellungen von Ost- und Westdeutschen stärker ähneln, wenn sie Kontakt zu Ausländern haben.

Persönliche Begegnungen können politische Einstellungen also beeinflussen. Wie stark sie das tun, hängt offenbar auch von den Umständen ab.

Für Pflegekräfte selbst fehlt bislang eine Untersuchung, die ihre Erfahrungen mit internationalen Kollegen und ihre politischen Überzeugungen miteinander vergleicht.

Im Team willkommen, trotzdem diskriminiert

Dass die Zusammenarbeit überwiegend geschätzt wird, bedeutet nicht, dass sie frei von Vorurteilen ist.

Eine qualitative Studie mit 21 Pflegefachpersonen beschreibt Rassismus, Diskriminierung und die Behandlung von Kollegen als vermeintlich Fremde. Auch eine Online-Befragung unter 302 Pflegefachpersonen zeigt, dass Beschäftigte mit Migrationsgeschichte Benachteiligungen aufgrund ihrer Herkunft erleben.

Beides kann also gleichzeitig vorkommen: Ein ausländischer Kollege wird für seine Arbeit geschätzt, erfährt aber dennoch Ausgrenzung.

Hinzu kommt der Arbeitsdruck. Eine Untersuchung mit 40 Pflegekräften zeigt, wie Personalmangel die Zusammenarbeit erschwert und wie wichtig gute Einarbeitung, Kommunikation und Unterstützung durch die Einrichtungen sind.

Der Unterschied zwischen gebraucht werden und dazugehören

Hier liegt der eigentliche Kern der Frage. Wer einen ausländischen Kollegen als zuverlässige Fachkraft schätzt, muss deshalb nicht jede Form von Zuwanderung befürworten. Berufliche Anerkennung und politische Überzeugungen sind nicht dasselbe.

Umgekehrt lässt sich aus einer Forderung nach strengeren Einwanderungsregeln nicht automatisch auf eine ablehnende Haltung gegenüber ausländischen Kollegen schließen.

Ob Pflegekräfte tatsächlich häufiger als andere Menschen zwischen persönlicher Wertschätzung und restriktiven politischen Positionen unterscheiden, ist bislang nicht untersucht.

Fest steht aber: Internationale Pflegekräfte werden dringend gebraucht und ihre Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen wird überwiegend positiv erlebt. Trotzdem berichten Beschäftigte mit Migrationsgeschichte von Diskriminierung.

Das wirft eine Frage auf, die weit über die Pflege hinausreicht: Reicht es, Menschen als Arbeitskräfte willkommen zu heißen, wenn ihre gesellschaftliche Zugehörigkeit weiterhin umstritten ist?

Quellen und weiterführende Informationen

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