Eine Demenzpatientin war früher Näherin. Als der Roboter Pepper in einer Tagespflege vom Nähen erzählte, lächelte sie und sagte, das kenne sie. So schildert es die Einrichtung selbst, die auch von anfänglichen Hemmungen wegen der abgehackten Sprachqualität und von großer Skepsis gegenüber dem Roboter berichtet. Der Moment berührt, ist aber eine Beobachtung ohne Vergleichsgruppe und kein Wirkungsnachweis.
Große Effekte, kleine Basis
Eine Meta-Analyse (eine Auswertung mehrerer Studien zusammen) von Yen und Kollegen schloss acht randomisierte Studien zu sozialen Robotern bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Langzeitpflegeeinrichtungen ein. Sie berichtet signifikant positive Effekte auf Depression und Einsamkeit, mit großen Effektstärken.
Praktisch interessant: Gruppenangebote schnitten bei Depression besser ab als Einzelangebote, und längere Interventionen waren günstiger. Die Autoren empfehlen soziale Roboter als Teil des Pflegealltags.
Belastbar ist das nur begrenzt. Acht Studien sind eine kleine Basis, und die Aussage gilt für körperlich vorhandene soziale Roboter bei älteren Bewohnern der Langzeitpflege, nicht für alle Roboter oder alle Pflegebedürftigen. Eine gesicherte langfristige Wirkung folgt daraus nicht.
Wie unterschiedlich Ergebnisse ausfallen, zeigen Einzelstudien. In acht Pflegeheimen in Cornwall verbesserten sich mit Joy-for-All-Katzen und -Hunden die neuropsychiatrischen Symptome im Vergleich zur Kontrollgruppe. Eine nicht randomisierte Studie mit sechs Robotern für Unterhaltung, Kommunikation und Gesundheitsüberwachung fand dagegen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen; die Reaktionen waren sehr gemischt, positiv, neutral und negativ. Die Autoren sprechen von keinen größeren Vorteilen oder Problemen. Das ist kein Beweis der Wirkungslosigkeit, zeigt aber: Die Wirkung dürfte stark von Gerät, Aufgabe und Umsetzung abhängen.
VR ist ein eigener Fall
Die Roboterbefunde lassen sich nicht auf virtuelle Realität (VR) übertragen. Eine Übersichtsarbeit zu VR in Pflegeeinrichtungen wertete 30 Studien mit 1.057 Teilnehmenden aus, verzichtete wegen der Unterschiede zwischen den Studien aber auf eine Meta-Analyse. Für körperliche Ergebnisse sei die Wirksamkeit möglicherweise gegeben, die Evidenz aber unsicher; für psychische Ergebnisse sei sie unsicher.
Eine Beobachtung an 84 älteren Menschen aus 14 Pflegeheimen berichtet nach vier wöchentlichen VR-Gruppenaktivitäten mehr Gruppenintegration und Proaktivität. Es war eine Vorher-Nachher-Untersuchung ohne Kontrollgruppe; die Autoren halten randomisierte Studien für nötig. Eine Autorin ist Mitgründerin der Firma, die das VR-Programm entwickelt hat.
Datenschutz: die praktische Frage
Soziale Roboter können Gesundheits- und andere personenbezogene Daten erfassen. Dafür sind eine Rechtsgrundlage und besondere Schutzmaßnahmen nötig. Welche Daten ein Gerät erfasst, hängt vom Produkt ab. Einrichtungen sollten Anbieter und Datenschutzbeauftragte fragen: Was wird aufgezeichnet, wer hat Zugriff, wo wird gespeichert, wozu?
Erproben, aber ohne Wunder zu erwarten
Verantwortbar ist, soziale Roboter als Ergänzung zu erproben, vor allem in Gruppenangeboten, ohne Wunder zu erwarten. Vor einer Anschaffung gehören Ziel, Datenerfassung, Rechtsgrundlage, Schutzmaßnahmen, Raum, Kosten und Personalbelastung geklärt. Für VR nannten Mitarbeitende in drei kanadischen Einrichtungen Sorgen des Personals, fehlende Räume, finanzielle Belastung und Arbeitsbelastung. Die Wirkung sollte vor Ort ausgewertet werden.
