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Pflegepolitik & Recht

Acht Einrichtungen erproben Pflegebegutachtungen durch Pflegefachpersonen

Im Modellprojekt MEET führen Pflegefachpersonen aus acht ambulanten und stationären Einrichtungen Pflegebegutachtungen parallel zu Gutachterinnen und Gutachtern des Medizinischen Dienstes durch. 80 Begutachtungen nach diesem Verfahren sollen ausgewertet werden.

Ziel sind praxistaugliche Handlungsempfehlungen bis zum Projektende am 31. März 2028.

Begutachtung auf zwei Wegen

MEET läuft seit April 2026 unter Leitung des Medizinischen Dienstes Bund. Das Projekt erprobt, ob Pflegefachpersonen aus ambulanten und stationären Einrichtungen Begutachtungen selbst übernehmen können. Zugleich wird untersucht, wie sich das Verfahren stärker an der jeweiligen Versorgungssituation ausrichten lässt.

In den acht beteiligten Einrichtungen erfolgt die Pflegebegutachtung auf zwei Wegen: durch eine Gutachterin oder einen Gutachter des Medizinischen Dienstes sowie durch eine Pflegefachperson der jeweiligen Einrichtung. Insgesamt sollen 80 Begutachtungen nach diesem Doppelverfahren stattfinden und anschließend ausgewertet werden.

Die Benennung und Auswahl der Einrichtungen erfolgen über die Verbände der Leistungserbringer auf Bundesebene und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Am Projekt beteiligt sind außerdem die Hochschule Osnabrück, die Interdisziplinäre Care Forschung gGmbH und die Medizinischen Dienste in den Bundesländern.

Online-Befragung unter 1.000 Pflegefachpersonen

Ergänzend ist für Herbst 2026 eine bundesweite Online-Befragung unter 1.000 Pflegefachpersonen vorgesehen. Das Projekt untersucht, wie die Zusammenarbeit zwischen Gutachtenden und professionellen Pflegefachpersonen gestaltet werden kann, unter welchen Bedingungen deren Einbindung gelingt und wie hoch die Akzeptanz unter den Fachkräften ist.

Informationen stärker für Beratung nutzen

Nach Angaben von Andreas Büscher, Professor für Pflegewissenschaft an der Hochschule Osnabrück, dient die Begutachtung bislang vor allem dazu, den Pflegegrad festzustellen. Er sieht die Möglichkeit, die dabei gewonnenen Informationen frühzeitig für Beratung und passgenaue Angebote zu nutzen, etwa für überforderte Angehörige.

Die Projektpartner wollen das Begutachtungsverfahren so weiterentwickeln, dass es eine nachhaltige Versorgungsplanung ermöglicht und die häusliche Pflege stärkt. Nach Angaben Büschers werden 85 Prozent der Menschen in der Pflegeversicherung in Deutschland zu Hause versorgt.

Mögliche Entlastung wird geprüft

Die Medizinischen Dienste führten 2025 mehr als drei Millionen Pflegebegutachtungen durch. Bei dieser Größenordnung könnte eine gelingende Einbindung von Pflegefachpersonen die Dienste entlasten. Ob ein solcher Effekt tatsächlich möglich ist, soll die Erprobung zeigen.

Das Modellprojekt endet am 31. März 2028. Bis dahin sollen konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, die in die Praxis überführt werden können. Eine dauerhafte Übertragung von Begutachtungen auf Pflegefachpersonen steht damit noch nicht fest.

Quellen und weiterführende Informationen

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